Das Menü
    Für das Essen so um acht
haben wir uns fein gemacht,
und betreten, hoffnungsfrisch,
„S’ il vous plaît,” an diesen Tisch,
den gemütlichen Salon,
setzen uns und, „Merçi bon!”,
ehe wir es noch erwarten,
reicht der garçon die Speisekarten,
zündet eine Kerze an,
obwohl man so auch lesen kann.

    Doch dann wiederum auch nicht,
denn sie ist noch handschriftlich.
Dieses zeugt von Qualität!
(Falls man entziffert, was dort steht.)

    In Frankreich speist man nicht so schnell.
Der Patron reicht ein „Amuse gueule”,
das warm ist, äußerst raffiniert,
so dies und das und gratiniert.
Der Genuss „superbe” und wie! -

    „Est-que vous avez choici?”
Erschreckt uns wer mit leisem Schritt.
Leider noch nicht, mais un minute.
„Pardon, monsieur,” auf jeden Fall
Nehmen wir „deux kir royals!”

    Das konnt’ der Ober kaum erwarten.
Wir greifen zu den Speisekarten.
Der Zeilenfolge ganzes Wesen
ist kunstvoll, aber kaum zu lesen.
Auswählen kann man allerlei,
desweitern Menu eins bis drei.
Der Kenner wird nicht lang erwägen,
geht gleich zu den Menuvorschlägen.
Fein abgestimmt, wie man’s gern hätt’...

    „Deux kir royals, s’il vous plaît!”
Das Blut gerinnt, Gesicht wird bleicher.
Der Ober ist ein echter Schleicher!
„Déjà choisi?”, fragt er scheinheilig.
Wir brauchen Zeit und er hat’s eilig!

    Jetzt heißt es, die Menus studieren
und Hieroglyphen déchiffrieren:
„Boef rôti” ist nicht so toll,
„Truite aux amandes” mehr grätenvoll.
Doch wie wär’ das? Das wär ok!
Ein Geflügel-Fricassée
und Reis mit Weißweinsoße dran
hat’s meiner Frau schwer angetan.
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