Die Urlaubsreise

„Tschiwip-tschip!”, grüßt Frau Schwalbe.

„Tschilp-tschilp!”, antwortet Herr Spatz.

„Endlich, endlich geht’s wieder in Urlaub!”

„Wo geht’s denn hin, wenn man fragen darf?”

„Wir fliegen jedes Jahr nach Südafrika. Früher waren wir ja mehr am Lago-Maggiore, an der Côtes d’Azur. Aber Sie können sich nicht vorstellen, wie es jetzt da zugeht! Alles voller Stare! Stare vom Rhein, aus Holland, England, fuuurchtbar!”

„Südafrika, ist das nicht weit?”

„Nun schon, aber man kann sich’s, Gott-sei-Dank, ja leisten.”

„Ich war mal drüben in Schnaid, Verwandte besuchen. Das war zwar bloß ein paar Tage, aber ich war doch froh, als ich wieder zu Hause unterm eigenen Dach war.”

„Urlaub im Lande käme für uns nicht in Frage. Man will doch was von der Welt sehen, Land und Leute kennenlernen. An der Vogelhochschule lerne ich darum jetzt afrikaans...”

„Sie sprechen eine Fremdsprache?”

„Na ja, früher nur italienisch, französisch natürlich, etwas spanisch. Jetzt aber, wo wir doch weiter reisen auch marokkanisch und heuer, wie gesagt, noch afrikaans. Sie glauben gar nicht, wie begeistert die Einheimischen sind, wenn man nur ein paar Brocken spricht, und man bekommt doch gleich viel besser in Kontakt.”

„Das muss ja hochinteressant sein, sich mit den einheimischen Vögeln unterhalten zu können! Mit wem spricht man denn so?”

„Ach, wissen Sie, wir sind eigentlich in den letzten Jahren immer an dem gleichen kleinen See, wunderbar gelegen! Dort

ist es nicht so schwül, auch nicht so heiß, wie sonst in Afrika. Etwa ebenso wie hier im Remstal. Wir treffen auch immer die gleichen Schwalben, sehr nette Leute aus Königsstein zum Beispiel. - Wissen Sie, wo das ist? - Gleich bei Frankfurt. Eine ganz vornehme Gegend! Oder auch Schwalben von Sylt sind gerne dort...”

„Und dann machen Sie wahrscheinlich Ausflüge in die Umgebung, lernen südafrikanische Vögel kennen, erfahren, was man dort isst und trinkt...”

„Aber natürlich, mein lieber Herr Spatz, aber hinterher ist man auch immer wieder froh, wenn man zurück an seinem gut bekannten See ist: unter sich, sozusagen. Die Gegend ist halt doch voller fremder Vögel. Und an unserem See kennt man sich schon besser aus. Die Fliegen schmecken dort auch am besten, fast schon wie hier im Remstal.”

„Schade, ich hatte gedacht, sie probieren mal die echten afrikanischen Fliegen.”

„Oh, nein, nein! Das haben wir früher mal versucht. Ganz schlecht ist uns geworden und wir bekamen einen ganz furchtbaren... Na ja, Sie wissen schon. Man sagt dort: ‘Die Rache des Elefanten’.”

„Das ist ja entsetzlich!”

„Nächstes Jahr wollen wir mal woanders hin, nach Madagaskar. Eine ganz wunderbare Insel soll das sein, sehr exotisch und kaum Touristen...”

„Ja, aber die fremden Vögel, das fremde Essen!”

„Darum gehen wir in einen Club. Den haben Bekannte vom Tegernsee, die wir von Südafrika her kennen, dort aufgemacht. Einheimische Vögel haben keinen Zutritt, höchstens abends dürfen sie mal rein, um was vorzusingen. Und das Essen soll ganz vorzüglich sein. Garantiert nur deutsche Fliegen!”

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