Die Wiedergeburt
Zwischen Stuttgart-Feuerbach und Botnang stand
vor zweihundert Jahren ein kleines Wirtshaus. ,,Beim
Claudius" hieß es, denn der Wirt hieß auch so. Jede
Woche traf sich dort ein Stammtisch aus nämlichen
Orten, und wohl auch aus Stuttgart kam man herüber.
Es war auch dies und jenes Weib dabei, was zu der Zeit
eigentlich nicht üblich war, weil die Männer erkannt
hatten, dass sogar Frauensleut manch vernünftige
Gedanken haben konnten.
Alle Leute dieser Gesellschaft zu beschreiben, die
sich hier trafen, wäre mühsam und für diese Geschichte
auch gar nicht notwendig. Doch ein paar möchte ich
doch erwähnen, weil sie später noch einmal auftreten
werden. Da war der Willi, gewitzt! Dann der Bentele, der
Lutz, der sich zu den Gendarmen zählte und der
ansehnliche Leiermacher Jörg. Dabei auch verständige
Weiber: Die Leonardin, die Rote und die Schwarze. Ach
ja, den Nickel hätte ich fast vergessen, weil er gar kein
echter Schwabe war, sondern aus Nordpreußen
zugezogen.
,,Beim Claudius" gab es Most, sauer zwar aber
reichlich und für kleines Geld, und wenn es draußen kalt
war, wurde auch mal ein Scheit Holz nachgelegt.
Deshalb saß man oftmals länger und bis in die späten
Abendstunden.
In den Wirtshäusern in Botnang und Feuerbach, den
Kneipen, um nicht Spelunken zu sagen, wurde meist
nicht nur ordentlich gezecht, sondern gesoffen. Das
hatte zur Folge, dass Gegröle vorherrschte, gar Kerle
sich prügelten und der Wirt dann das Pack aus der Tür
werfen musste.
Nicht so ,,Beim Claudius"! Hier herrschten mehr
ernstliche Gespräche vor. Wohl durch den Most wurde
ein Thema mehr oder weniger zunehmend geistloser
oder endete gar in einem schwachen Witz; nie aber
waren die Abende dieser Gesellschaft kultur- oder
disziplinlos. Man sprach über Politik natürlich, über
Napoleon und den Zaren, über Friedrich I. von Preußen
und besonders über unseren Herzog Friedrich II. Auch
über Kirchenangelegenheiten wurde diskutiert und ob
eine Schulbildung für Mädchen wirklich nötig wäre.
Da passierte es, dass einer aus diesem Kreise durch
einen Unfall zu Tode gekommen war. Man sagte, ein
Mostkrug sei von seinem Fuhrwerk gefallen und
zerbrochen. Er hätte aber einen andern im Keller
gefunden und nächsten Tag gut gefüllt mit aufs Feld
genommen. Der war aber doppelt so groß. Und wohl
deshalb sei der Lenker abends ebenfalls vom Fuhrwerk
gefallen, hatte den Kopf hart aufgeschlagen, und war
daran verstorben. Ob dieses traurigen Ereignisses
bestellte die Runde beim Wirt Claudius einen großen
Humpen und man trank auf den verschiedenen
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